Trio der SG Wenden dominiert Berglauf-Meisterschaft

Die Schnellsten des Tages bei den Westdeutschen Berglauf-Meisterschaften kamen von der SG Wenden (v.l.): Alexander Herr (2.), Sieger Ejob Solomun und Sven Christian Sidenstein (3.).
Die Schnellsten des Tages bei den Westdeutschen Berglauf-Meisterschaften kamen von der SG Wenden (v.l.): Alexander Herr (2.), Sieger Ejob Solomun und Sven Christian Sidenstein (3.).

Bad Berleburg. Ein Läufertrio der SG Wenden zeigte bei den Westdeutschen Berglauf-Meisterschaften in Bad Berleburg die besten Kletterqualitäten. Der Sieger Ejob Solomun (26:21 min.), der Zweitplatzierte Alexander Henne (26:53 min.) und Sven-Christian Sidenstein (27:04 min.) waren der Konkurrenz auf der 7.600 Meter langen Strecke über 370 Höhenmeter enteilt und holten sich damit auch souverän den Mannschaftstitel bei den Männern. Dem Frauen-Trio des TuS Deuz gelang hingegen die Titelverteidigung in der Mannschaftswertung bei den Frauen.

Zum vierten Mal hatte die LG Wittgenstein als Ausrichter die Westdeutschen Berglauf-Meisterschaften übernommen. Schade, dass die Mühe für die Organisation mit Streckensperrung, Sportlertransport, Zeitmessung und Siegerehrung wenig gewürdigt wurde: Offenbar sind Bergläufe in dieser „hügeligen“ Region (anders als zum Bespiel in Bayern) nicht eben ein „Renner“! Lediglich 91 Meisterschaftsstarter, dazu noch 19 Volksläufer, machten sich auf den Weg mit Start am Homrighäuser Weg (430 ü.NN) am Ortsausgang von Bad Berleburg über die Kreisstraße hinauf nach Kühhude. Eine solche Starterzahl wird einer Westdeutschen Meisterschaft keinesfalls gerecht. Und so sind auch einige Klassensiege ein Muster, sprich Meistertitel, ohne viel Wert. Beispiele gefällig: Zwei (!) Starter in der Klasse der M30, darunter mit dem Schnellsten, Björn Büdenbender vom TuS Deuz, sogar nur ein heimischer Läufer. Vier Starter in der Klasse M40, wovon sich die ersten Drei vom LTV Lippstadt in die Siegerliste eintrugen. Nun ist die 67.000-Einwohner-Stadt Lippstadt auf 79 Meter Höhe gelegen, nicht gerade ein Eldorado für Berglaufspezialisten. In der Frauenklasse W40 zwei Starterinnen, oder in der W35 mit Susan Homrighausen von der LG Wittgenstein sogar nur eine Läuferin. Die Teilnehmerliste ließe sich fortsetzen…

Vermutlich letzte Westdeutsche Berglauf-Meisterschaft

Und so hat die LG Wittgenstein am vergangenen Wochenende wohl die letzten Westdeutschen Berglauf-Meisterschaften überhaupt ausgerichtet. Dies ist aber nicht der Teilnehmerzahl geschuldet sondern hat eine ganz profane Ursache: Es ist hier für Läufer nicht bergig genug! Der Deutsche Leichtathletikverband (DLV) will künftig nämlich nur noch Bergläufe zulassen, die über eine Höhendifferenz von 700 Meter ausgetragen werden. Das ist jedoch für Westdeutschland nicht möglich, denn die höchsten Berge im Westen sind der Langenberg mit 843 Meter und der Kahle Asten mit 841 Meter. Und da dort natürlich nicht auf einer Höhe von 140 Metern gestartet werden kann, wird es diese Meisterschaft wohl künftig im DLV-Terminkalender nicht mehr geben.

LG Wittgenstein mit gutem Draht nach „oben“

Der Ausrichter LG Wittgenstein hatte einen guten Draht nach „oben“. Pünktlich zum Start um 14.30 Uhr hörte es auf zu regnen. Die Läufer hatten Glück, der Lauf war trocken vom Start bis zum Ziel am Falken auf dem Waldskulpturenweg. Wäre es anders gekommen, da hätten die Organisatoren mit der Verlegung der Strecke auf die Kreisstraße 39 die richtige Vorkehrung getroffen. Erst kurz nachdem der Letzte, der 77-jährige Hugo Behau von der LG Kindelsberg Kreuztal, im Ziel war, setzte unten in Bad Berleburg heftiger Regen und auch Hagelschauer ein.

Nächster Westdeutscher Meistertitel für Ejob Solomun

„Weiß der eigentlich, dass es da oben noch ganz schön bergauf geht?“, fragte mich ein Streckenposten beim Anblick des Führenden, der leichtfüßig vor der Konkurrenz „tänzelte“. Der 21-jährige Ejob Solomun, amtierender Westdeutscher Meister über 10.000 Meter (30:40,31 min./Menden), brauchte sich nicht einmal zu verausgaben, um oben nach knapp acht Kilometern als Sieger und erneut als Westdeutscher Meister anzukommen. Dem Läufer aus Eritrea folgten mit Alexander Henne (32 Sekunden Rückstand) und Sven-Christian Sidenstein (39 Sekunden Rückstand) zwei Teamkollegen die somit den Erfolg der SG Wenden komplettierten. „Heute hat keiner 100 Prozent gegeben. Sie haben sich noch etwas aufgespart, denn erst in zwei Wochen, bei den Deutschen Meisterschaften über 10 Kilometer müssen die Jungs fit sein“, erklärte im Ziel der Langstreckentrainer der SG Wenden, Egon Bröcher, im Gespräch mit laufen57.de

TuS Deuz Zweiter in der Männer-Teamwertung

Unter den ersten Zehn im Gesamtklassement folgten drei Läufer des TuS Deuz: Vierter wurde Tim Dally (27:30 min.), Manuel Wörmann kam als Sechster (28:30 min.) ins Ziel, und der ehemalige Westdeutsche Berglaufmeister Thomas Braukmann, der in der heimischen Läuferszene schon längst den Spitznamen „Bergziege“ abbekommen hat, folgte auf Platz sieben in 28:46 min. Doch der Hilchenbacher ist immerhin schon 48 Jahre alt, und da ist diese Leistung hoch einzuschätzen. Und so belegte die Männermannschaft des TuS Deuz in der Besetzung Dally, Wörmann und Braukmann hinter der SG Wenden Platz zwei. Die zweite Deuzer Mannschaft belegte hinter dem LTV Lippstadt Rang vier in der Besetzung Björn Büdenbender (32:30), Matthias Kraft (32:43) und Holger Natzke (33:18).

Läuferinnen-Trio des TuS Deuz verteidigt den Titel

 

Schnellste Läuferin des Tages und Westdeutsche Berglaufmeisterin 2014 ist Christin van Heukelum vom SC Myhl LA.
Schnellste Läuferin des Tages und Westdeutsche Berglaufmeisterin 2014 ist Christin van Heukelum vom SC Myhl LA.

Schnellste Frau des Tages war die 22-jährige Christin Van Heukelum vom SC Myhl in 31:28min. Bis zum Ziel hatte sie jedoch die harte Konkurrenz des TuS Deuz im Nacken. So lief Rebekka Otterbach ein starkes Rennen und lag im Ziel nur ganze zehn Sekunden (31:38min.) hinter der Siegerin, die im Vorjahr beim Deuzer Pfingstlauf noch den dritten Platz belegt hatte. Da Van Heukelum noch in der U23 startet, gewann Rebekka Otterbach den Titel in der Frauenhauptklasse. Mit 31:54 min. belegte Tina Schneider Rang drei im Gesamteinlauf der Frauen und verwies damit Mealat Yermane (SG Wenden) auf Platz vier. Tina Schneider war für Triathlonspezialistin Caprice Giehl eingesprungen, die derzeit noch im Urlaub ist. Das Damenteam wurde wie schon im vergangenen Jahr von Anna Schneider vervollständigt, die mit 35:42 min. auf dem 11. Platz (5. WHK) ins Ziel kam. Die drei Läuferinnen des TuS Deuz waren als Titelverteidiger in der Mannschaftswertung angetreten und verteidigten die Krone und dürfen somit weiterhin den Titel Westdeutscher Mannschaftsmeister im Berglauf tragen. Die SG Wenden belegte Platz drei in der Besetzung Mealat Yemane (33:07), Stefanie Bröcher (34:30) und Mara Lückert (34:35).

Birger Hartmann (13) vom VfL Bad Berleburg stark

Eine äußerst starke Leistung zeigte Birger Hartmann vom VfL Bad Berleburg. Bei der Volkslaufwertung konnte der erst 13-Jährige 69 Läuferinnen und Läufer, die zur Westdeutschen Meisterschaft angetreten waren, hinter sich lassen. Birger Hartmann lief in beachtlichen 32:59 Minuten locker den Berg hinauf. Abermals herausragend die Laufleistung der 58-jährigen Conny Wagener von der LG Wittgenstein, die mit 35:49 Minuten nur sieben Sekunden hinter der 34 Jahre jüngeren Anna Schneider vom TuS Deuz lag. Ältester Teilnehmer war Hugo Behlau von der LG Kindelsberg Kreuztal. Mit 77 Jahren der Älteste im Feld zeigte er in 53:08 Minuten eine beachtliche Leistung.

Ergebnisse

Männer
Junioren U23: 1. Ejob Solomun (SG Wenden) 26:21 min.
Hauptklasse: 1. Ejob Solomun 26:21 min.; 2. Alexander Henne 26:53; 3. Sven Christian Sidenstein (alle SG Wenden) 27:04; 4. Tim Dally (TuS Deuz) 27:30; … 6. Manuel Wörmann (TuS Deuz) 28:30.
M30: 1. Björn Büdenbender (TuS Deuz) 32:30.
M35: 1. Dr. Marcel Frank (LAZ PUMA Rhein-Sieg) 29:03; … 5. Andreas Bache (TV Büschergrund) 42:36.
M40: 1. Juri Reiss (LTV Lippstadt) 30:38; … 4. Thorsten Schmidt (LG Wittgenstein) 37:45.
M45: 1. Thomas Braukmann (TuS Deuz) 28:46; 2. Udo Menn (LG Kindelsberg Kreuztal) 31:26; … 4. Matthias Kraft (TuS Deuz) 32:43; 5. Manuel Tuna (LG Kindelsberg Kreuztal) 32:48; … 7. Dirk Homrighausen (LG Wittgenstein) 37:47.
M50: 1. Jürgen Scherg (Nonstop Ultra Brakel) 29:44; 2. Frank Hermann Forster (LAG Siegen) 30:45; … 4. Frank Lauber (LG Wittgenstein) 34:17; 5. Andreas Heimbach (TV Büschergrund) 35:12; 6. Kersten Wickel (TV Büschergrund) 35:18; … 11. Stefan Ridder 37:23; 12. Uwe Keller (beide SG Wenden) 38:20.
M55: 1. Holger Natzke (TuS Deuz) 33:18; … 4. Paul Achenbach (TV Büschergrund) 37:35; 5. Bernd Brenner (SVS Emmerzhausen) 39:58.
M60: 1. Goar Engeländer (TSV Schloß Neuhaus) 33:16; 2. Gerhard Schneider 34:14; 3. Günter Bieler 34:29; 4. Karl Steiner (alle TuS Deuz) 35:41; … 13. Eddy Henkel (LG Wittgenstein) 45:38.
M65: 1. Dietmar Lehmann (CVJM Siegen) 36:11; … 4. Heinz-Werner Köster (SC Olpe) 38:59.
M70: 1. Adolf Keller (LC Wuppertal) 37:26.
M75: 1. Hugo Behlau (LG Kindelsberg Kreuztal) 53:08.

Frauen
Juniorinnen U23: 1. Christin Van Heukelum (SC Myhl LA) 31:28; 2. Mealat Yemane (SG Wenden) 33:07.
Hauptklasse: 1. Rebekka Otterbach 31:38; 2. Tina Schneider (beide TuS Deuz) 31:54; 3. Franziska Espeter (LG Wittgenstein) 34:28; 4. Stefanie Bröcher (SG Wenden) 34:30; 5. Anna Schneider (TuS Deuz) 35:42.
W35: 1. Susan Homrighausen (LG Wittgenstein) 38:58.
W40: 1. Mara Lückert (SG Wenden) 34:35; 2. Almuth Stötzel (TuS Deuz) 36:48.
W45: 1. Sabine Hundrieser (Alfterer Sportclub) 35:33; … 3. Eva Jansen (LG Südsauerland) 39:28; … 5. Simone Strauß (LG Wittgenstein) 46:26.
W50: 1. Ulla Cordes (LG Südsauerland) 40:17.
W55: 1. Conny Wagener (LG Wittgenstein) 35:49; 2. Diethild Drescher-Eigner (LG Wittgenstein) 38:19; Dr. Ulrike Wilbrand (LG Südsauerland) 38:56; 4. Birgit Brutzer (SC Olpe) 39:35.
W65: 1. Ingrid Seidel (TV Büschergrund) 52:17.

4 Kommentare

    1. Hallo Bernd,
      das kann ich leider nicht sagen, denn ich habe an dem Tag nur die Fotos geschossen, die nun in meinem Blog zu sehen sind. Ich bin anschließend mit „wehenden Fahnen“ zum Ausdauer-Cup nach Mudersbach gefahren und deshalb blieb mir keine Zeit, eine Fotostrecke zu den Berglaufmeisterschaften zu erstellen.

      Mit sportlichem Gruß
      Frank Steinseifer

  1. leider können wir nix dafür das kaum läufer interesse haben an solch einer meisterschaft teilzunehmen . wir hätten uns gerne eine stärkere konkurenz gewünscht dann wären unsere platzierungen auch realistischer, nichtsdestotrotz haben wir uns der herrausforderung gestellt uns sind immerhin mit 5 läufern an den start gegangen. die grosse frage is ja warum findet eine solche meisterschafft unter ausschluss der öffentlichkeit statt und ist so unattraktiv für läufer und vereine (preisgeld!) sportliche grüsse oliver kenter lippstadt p.s. mein alter trainer hat immer gesagt : wer nich da is kann auch nich gewinnen

  2. Hallo Oliver Kenter,

    mit Verlaub- aber ich spreche mich ganz entschieden gegen Preisgelder aus! Das führt zu nichts und letztlich zu einer noch größeren Spaltung. Jede Art von Kommerzialisierung oder Handgelder sind im Breitensport fehl am Platz.

    Es gab vor einiger Zeit sogar regionale Cup-Läufe im Wittgensteiner Raum, die Siegprämien auslobten und damit dafür sorgten, dass südländische oder afrikanische „C-Profis“ angelockt wurden, plötzlich auftauchten, die Gelder kassierten und schnell wieder verschwanden. Diese Sportler hatten ansonsten nichts mit dem Cup überhaupt zu tun. Das führte zu einem sehr großen Unmut im Lager der langjährig etablierten, einheimischen Läufer. In dessen Folge klingt ein künftiges Fernbleiben bzw. Boykott dieser Veranstaltungen geradezu logisch.

    Bei einer Verbandsmeisterschaft auf regional begrenzter Ebene ist das nichts anderes. Gäbe es Presigeld für den Sieg, hätte man quasi bald nur noch „1.Plätze“, d.h. am Start stehen dann wohl nur noch die, welche tatsächliche Siegchancen haben. Für das breite Mittelfeld fehlte dann dieser „Anreiz“, von Genussläufern ganz zu schweigen! Warum sollen die dann überhaupt noch hinfahren?

    Ergo hätte man so auf Sicht die ohnehin schon schmalen Felder vermutlich nochmal halbiert …

    Mit sportlichem Gruss!

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