Seven Summits Siegen: 1800 Gipfelstürmer im Gipfelglück

Der Regen hörte auf – die großen Pfützen blieben. Punkt 8 Uhr am Samstagmorgen startete bei Seven Summits Siegen die XL-Lauftour über 50 Kilometer – gleich vorneweg setzten sich der spätere Sieger Anno Dallmann (Nr. 8088) und Jannik Farnschläder (Nr. 8061), beide vom TuS Deuz, vom Läuferfeld ab. ©Foto: Frank Steinseifer

Siegen. Auch die sechste Auflage von Seven Summits Siegen – die 7-Berge-Tour über die Höhen der grünsten Großstadt Deutschlands – war ein voller Erfolg. Insgesamt 1800 Gipfelstürmer hatten sich für’s Laufen oder Wandern über 25 Kilometer oder 50 Kilometer angemeldet – für die Läuferinnen und Läufer war noch zusätzlich ein Marathonlauf auf dem Programm. Über 50 Kilometer gewann Anno Dallmann vom TuS Deuz bei den Männern sowie Hand-in-Hand Katja Schneiders (Fleckenberg) und Luisa Schönbrunn-Pulverich. Über die Marathondistanz lagen Markus Plett (TSG Helberhausen) und Marie Voge (o. Verein) vorn. Sieger über 25 Kilometer war erwartungsgemäß Tim Dally (Espetersport), schnellste Läuferin war hier Steffi Osthoff von der SG Wenden.

Samstagmorgen um halbacht. Die ganze Nacht hatte es teils heftig geregnet. In einer halben Stunden fällt der Startschuss zum ersten Lauf des Tages bei Seven Summits Siegen – und es regnet weiter wie aus Eimern. Dicht gedrängt stehen die Läuferinnen und Läufer des ersten Startblocks über die 50 Kilometer-Strecke unter dem Vordach bei ifm/The Summit auf der Martinshardt, nach dem Umzug vom DAV-Kletterzentrum in diesem Jahr erstmals Start- und Zielort der 7-Berge-Tour über die Gipfel von Siegen. In den Startbereich traute sich zunächst kein Sportler, denn der Bereich unter dem Startbogen glich einer Seenlandschaft und war eher zum Surfen statt zum Laufen und Wandern geeignet. „Das ist schon sehr bitter, dass wir jetzt solche Bedingungen haben. Ich befürchte, heute Nacht sind viele Markierungen von uns, die wir in den vergangenen Tagen mit viel Zeitaufwand gesprüht haben, einfach weggespült worden“, sagt Martin Hansel, Strecke unter seinem Regenschirm und zuckt mit den Schultern.

Noch eine halbe Stunde bis zum Start über 50 Kilometer. Seven-Summits-Streckenchef Martin Hansel bedauerte, dass der Regen der vorangegangenen Nacht so manche Markierung hinweggespült hatte und bat bei den Läuferinnen und Läufern um Verständnis für die widrigen Bedingungen. ©Foto: Frank Steinseifer

„Die äußeren Bedingungen können wir ja nicht beeinflussen
und 90 Prozent der Läufer und Wanderer nehmen ihre GPS-Daten
mit auf die Strecke und bleiben somit auf Kurs.“

Ingo Schaffranka – Organisator Seven Summits Siegen, Inhaber der Agentur :Anlauf GmbH

Zusammen mit einem 10-köpfigen Team des TuS Deuz hatte der erfahrene Ultraläufer als Seven-Summits-Streckenchef in den vergangenen Wochen immer wieder die lange Route besichtigt, Nachricht gegeben, wenn nach den Gewittern irgendwo Bäume durch Windbruch den Weg versperrt haben und viele Flatterbänder an Bäumen und Sträuchern gebunden. Und so haben sich dann doch einige Läuferinnen und Läufer und Wanderer verlaufen und sind von der eigentlichen Strecke abgekommen – größere Beschwerden seien jedoch ausgeblieben, versicherte Ingo Schaffranka, Chef der :Anlauf GmbH und verantwortlich für die Gesamtorganisation: „Die äußeren Bedingungen können wir ja nicht beeinflussen und 90 Prozent der Läufer und Wanderer nehmen ihre GPS-Daten mit auf die Strecke und bleiben somit auf Kurs.“

Seven Summits Siegen 2026 – 1.800 Läuferinnen, Läufer und Wanderer hatten sich zur 7-Gipfel-Tour über die Höhen von Siegen angemeldet. Nach den Regenfällen glich der Start-Ziel-Bereich einer Seenlandschaft. ©Foto: Frank Steinseifer

Und dann war der Wettergott doch noch ein echter Sportsfreund. Um Punkt acht 8 Uhr zum Start der 50 Kilometer drehte er den Regenhahn zu und der Tag, der mit einer trüben regnerischen Brühe begann, endete nach einem Sonne-Wolken-Mix am Nachmittag doch noch mit blauem Himmel und heiterer Stimmung an den Bierzeltgarnituren im Zielbereich auf dem Veranstaltungsgelände auf der Martinshardt oberhalb des Siegener Leimbachstadions. Zuvor waren die Gipfelstürmer gewalkt und gerannt, hatten geschwitzt, gelitten, geflucht, unterwegs geschwätzt und gelacht – ob Wanderer oder Läufer, im Ziel gab es trotz der anstrengenden Bergtour auch diesmal viele glückliche Gesichter.

Herausforderung: Sieben Berge und 1200 Höhenmeter

SEVEN SUMMITS SIEGEN 2026 – die große Lauf- und Walking-Tour über die sieben Gipfel der Stadt Siegen. ©Foto: Frank Steinseifer

Auch drei Niederländer am Start

Aus der ganzen Republik waren Sportlerinnen und Sportler, erfahrene Megamarschwanderer und Läufer, dem Lockruf von Seven Summits Siegen gefolgt, um beim Event über abwechslungsreiche Trails in der grünsten Großstadts Deutschlands dabei zu sein. Drei Niederländer auf der Marathonstrecke dürften wohl die weiteste Anreise gehabt haben. 1800 Anmeldungen insgesamt – Rekordbeteiligung bei der sechsten Auflage des Events. Vom Start beim The Summit auf der Martinshardt ging es über die sieben Hügel Stadt mit Rosterberg (326 m ü. NN), Fischbacherberg (371 m ü. NN), Wellersberg (346 m ü. NN), Giersberg (354 m ü. NN), Lindenberg (373 m ü. NN), Siegberg/Schlosspark (307 m ü. NN), Häusling (364 m ü. NN) zurück ins Ziel auf der Martinshardt. Laufen und Wandern klassisch über 25 Kilometer, der Marathon über 42 Kilometer oder die XL-Tour über 50 Kilometer mit den Zusatzschleifen über Trupbach, Birlenbach, Bürbach, Obersdorf und den Gilbergskopf – ein Sonntagsspaziergang war die Strecke gespickt mit vielen Höhenmetern keinesfalls, auch nicht für die Sporterfahrenen.

„Wenn Du durch die Hölle gehst…“

Seven Summits Siegen 2026 – insgesamt 1.800 Läuferinnen, Läufer und Wanderer hatten sich zur 7-Gipfel-Tour über die Höhen von Siegen angemeldet. Kilometer 40 am Häusling: „Wenn du durch die Hölle gehst, geh weiter“, lautete zum Beispiel der Rat von Winston Churchill. ©Foto: Frank Steinseifer

„Schönes Ding hier in Siegen“ lobten die einen – „Boah ey, das hatte ich mir nicht so anstrengend vorgestellt“, ächzten die anderen. Und wenn man glaubte, es geht nicht mehr, stand irgendwo ein Schildchen quer – so wie bei Kilometer 40 am Häusling: „Wenn du durch die Hölle gehst, geh weiter“, lautete zum Beispiel der Rat von Winston Churchill. Wer an dieser Stelle vorbeikam und die letzten zwei Kilometer Richtung Rosterberg vor Augen hatte, dem huschte sicherlich ein Lächeln übers Gesicht und auch die Motivation kam so zurück.

50 Kilometer: Dallmann – Neuser – Farnschläder

Seven Summits Siegen 2026: Auf der XL-Laufstrecke über 50 Kilometer und fast 1200 Höhenmetern war bei den Frauen Luisa Schönbrunn-Pulverich (Nr. 8069) die schnellste Läuferin – sie lief zusammen mit Katja Schneiders (Fleckenberg) nach 4:33:50 Std. Hand-in-Hand als Siegerinnen ins Ziel. ©Foto: Frank Steinseifer

Den Seven Summits Siegen verbinden Naturerlebnis und sportliche Herausforderung. Während sich die einen eine willkommene Pause an den Verpflegungsständen gönnten und einen Stop für ein Selfie mit den sieben Gipfelfahnen einlegten, nahmen es einige aus der Region wieder ganz sportlich und drückten auf’s Tempo. Über 50 Kilometer gewann Anno Dallmann vom TuS Deuz, der sich nur eine Woche nach seinem Sieg beim 19. Allgäu-Panorama-Marathon über 70 Kilometer mit über 3000 Höhenmetern wieder erholt hatte und die vergleichsweise „flache“ Berge-Tour in Siegen mit „nur“ 1200 Höhenmetern in starken 3:42:43 Std. absolvierte. Auf Platz zwei und drei kamen Dennis Neuser (FSG Oberes Siegtal/3:53:37 Std.) und der Mudersbacher Jannik Farnschläder (TuS Deuz/3:55:44 Std.). Bei den Frauen liefen Katja Schneiders (Fleckenberg) und Luisa Schönbrunn-Pulverich in 4:33:50 Std. Hand-in-Hand als Siegerinnen ins Ziel.

Markus Plett Schnellster auf der Marathonstrecke

Seven Summits Siegen 2026 – insgesamt 1.800 Läuferinnen, Läufer und Wanderer hatten sich zur 7-Gipfel-Tour über die Höhen von Siegen angemeldet. Hier der Start der Läufer über die Marathonstrecke – zu erkennen sind (von links): Benjamin Roth (Nr. 5027), Leonard Hafer (Nr. 5001/House of Bikes Running/Tri Team Siegerland), Daniel Fleischer (Nr. 5006/TSG Helberhausen) und der spätere Sieger Markus Plett (Nr. 5005/TSG Helberhausen). ©Foto: Frank Steinseifer

Auf der Marathon-Strecke waren Markus Plett (TSG Helberhausen/3:31:16 Std.), Benjamin Roth (o. Verein/3:37:51 Std.) und Leonard Hafer (Tri Team Siegerland/3:45:47 Std.) auf den vorderen Plätzen. Die Schnellsten Frauen waren Marie Voge (o. Verein/4:19:14 Std.), Rebekka Wöhrmann (TuS Deuz/4:22:03 Std.) und Mathilde van Rooijen (Niederlande) die Schnellsten. Über 25 Kilometer gewann der Netphener Tim Dally (Espetersport/1:54:44 Std.) vor Matthias Weber (Team Werthebach/2:04:29 Std.) und Florian Hoffmann (o. Verein/2:05:11 Std.). Bei den Frauen lag mit Siegerin Steffi Osthoff (2:08:21 Std.) und der Zweitplatzierten Liv Behle (2:13:43 Std.) ein Duo der SG Wenden vorn, Dritte wurde Leslie Stoffel von den Crown Town Runners Siegen.

Impressionen vom Start über 25 Kilometer

Verpflegungsstellen sollten ausgebaut werden

Nach der Mammutveranstaltung zog Organisator Ingo Schaffranka ein insgesamt sehr positives Fazit der Veranstaltung: „Im Jahr eins nach dem Umzug vom DAV-Kletterzentrum bin ich sehr zufrieden mit dem Ablauf. Dass bei so einer großen Veranstaltung immer mal wieder etwas nicht 100-prozentig funktioniert, auch das ist ja völlig normal. So haben wir festgestellt, dass wir die Verpflegungsstationen noch besser ausbauen müssen, um die Wartezeiten für die Läufer und Wanderer zu verkürzen. Wenn an den Ständen innerhalb kurzer Zeit rund 1.000 Wanderer vorbeikommen, die Hunger und Durst haben, dann ist da schon mächtig Betrieb.“ Schaffranka lobte auch die Zusammenarbeit mit den Waldbauern, ohne deren Einverständnis eine solche Veranstaltung nicht umsetzbar sei: „Da geht dann auch ein großes Lob an meinen Vorgänger, Martin Hoffmann, der da gute Vorarbeit und Kontaktpflege betrieben hat. Jetzt werden wir in den nächsten Tagen unserer Verantwortung gerecht und sorgen dafür, dass kein Müll und kein Flatterband im Wald zurückbleibt.“

Den Termin für die 7. Auflage von Seven Summits Siegen, den können sich die Läufer und Wanderer schon fest im Terminkalender eintragen: Samstag, 21. August 2027. 

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