Eberhard Zimmerschied plötzlich gestorben – ein Nachruf

Eberhard Zimmerschied – Läufer, langjähriger Abteilungsleiter Leichtathletik des VfL Kirchen und als Organisator treibende Kraft beim Kirchener Straßenlauf, ist am Dienstagnachmittag plötzlich und unerwartet im Alter von 67 Jahren gestorben. Foto: Frank Steinseifer

Betzdorf. Es gibt eine traurige Nachricht in der heimischen Laufszene: Eberhard Zimmerschied, langjähriger Volksläufer, Leiter der Leichtathletik-Abteilung des VfL Kirchen und Organisator des Kirchener Straßenlaufs sowie Mitveranstalter des Molzberglaufs in Kirchen, ist am Dienstagnachmittag plötzlich und völlig unerwartet nach einem internistischen Notfall im Alter von 67 Jahren, fünf Tage vor seinem 68. Geburtstag,  gestorben.

Viele Volksläufe – und dann der Marathon durch Ost-Berlin 1990

„Ebi“, wie wir ihn als seine Lauffreunde nannten, war in der heimischen Laufszene seit fast vier Jahrzehnten beliebt und geschätzt. Ein eher rationaler und pragmatischer Typ, stets freundlich, empathisch und humorvoll. Als ambitionierter Volksläufer im Trikot des VfL Kirchen (hier war er Vereinsmitglied seit dem 1. Januar 1992) war der Betzdorfer bei vielen heimischen Laufveranstaltungen am Start. In den 80er-Jahren begann er mit dem Laufsport, lief zu seiner besten Zeit die 10-Kilometer-Distanz in einer 35er Zeit und absolvierte auch einige Marathonläufe, darunter den ersten Berlin-Marathon der kurz vor der Wiedervereinigung am 30. September 1990 durch den Ostteil Berlins führte.

Seit vielen Jahren VfL-Abteilungsleiter und treibende Kraft für den Straßenlauf

Seit vielen Jahren hatte er die Leitung der Leichtathletik-Abteilung des VfL Kirchen übernommen und sich Jahr für Jahr – trotz großer Personalnot – für die Ausrichtung der Ausdauer-Cup-Läufe in Kirchen und des 5.000-Meter-Laufs im Molzbergstadion stark gemacht. Ohne seinen tatkräftigen Einsatz wäre der Straßenlauf in Kirchen sicherlich schon vor vielen Jahren eingestellt worden. Jetzt stehen gleich mehrere Fragezeichen hinter der Veranstaltung, die seit den Anfängen des Ausdauer-Cups im Jahre 1989 fester Bestandteil im Kalender ist.

Studium an der RWTH Aachen – Leiter Betrieb und Verkehr bei StraßenNRW

„Ebi“ war in der Laufszene bekannt wie ein bunter Hund, immer mit einem flotten Spruch auf den Lippen. Auch als Moderator der Siegerehrungen zum Ausdauer-Winter-Cup in der Krombacher Brauerei hat er jahrelang die Festgäste mit launigen Worten unterhalten. Nach dem Abitur in Betzdorf und dem anschließenden Studium für Bauingenieurwesen an der RWTH Aachen arbeitete er viele Jahre in verantwortlicher Position bei StraßenNRW – zuletzt hatte er, bis zu seiner Pensionierung vor zwei Jahren, als Abteilungsleiter Betrieb und Verkehr eine verantwortungsvolle und anspruchsvolle Aufgabe. Viele Bauvorhaben musste er in der Öffentlichkeit präsentieren und erläutern, manchmal auch gegen örtliche Widerstände, doch sein Stil war stets geprägt durch seine rationale, pragmatische und konstruktive Art.

„Kreisel-Ebi“ als Unterstützer des HTS-Volksbank-Tunnellaufs 2016

Sein Sachverstand und sein Rat war auch bei etlichen Laufveranstaltungen in der Region gefragt. Ohne „Kreisel-Ebi“ – so sein Spitzname, da er für die Planung vieler Verkehrskreisel verantwortlich zeichnete – wäre so mancher Straßenlauf nicht realisierbar gewesen. So war er zusammen mit Martin Hoffmann und mir maßgeblich an der Organisation und Planung des HTS-Volksbank-Tunnellaufs in Niederschelden am 22. Oktober 2016 beteiligt. Ohne das Engagement von „Ebi“ hätte sich die zunächst fixe Idee, „lasst uns doch einen Straßenlauf durch den Tunnel in Niederschelden zur Eröffnung des letzten Teilstücks der Hüttentalstraße und als Verbindung der beiden Bundesländer organisieren“, einfach wieder in Luft aufgelöst. Durch unsere Begeisterung für das Projekt ließ auch er sich anstecken und bohrte daraufhin im Hintergrund bei Kolleginnen und Kollegen in den zuständigen Abteilungen von StraßenNRW viele „dicke Bretter“, um eine Genehmigung der Streckensperrung der B62neu bis zum heutigen „Erzquell-Kreisel“ zu erhalten und die Laufveranstaltung trotz vieler Sicherheitsbedenken möglich zu machen. Tage nach dem HTS-Volksbank-Tunnellauf, der mit 1.000 Teilnehmern und über 1.000 Zuschauern zu einem großen Läuferfest wurde, sagte „Ebi“ in einer internen Abschlussbesprechung: „Da ist uns etwas tolles gelungen. Etwas Einmaliges. Das wird es nämlich nie wieder geben. Wenn die HTS einmal für den Verkehr freigegeben ist, dann bekommt ihr keine Genehmigung mehr, selbst dann nicht, wenn der Kaiser von China kommt.“

Besonderer Moment: Sohn Andreas beim Kirchener Straßenlauf 2016 am Start

Durch den Laufsport hat Eberhard Zimmerschied auch seine zweite Ehefrau, Andrea Utsch-Zimmerschied kennengelernt. Einen ganz besonderen Moment erlebte „Ebi“ als Organisator des Kirchener Stadtlaufs im Jahre 2015: Andreas Zimmerschied, sein damals 38-jähriger Sohn aus erster Ehe, und Schwiegertochter Uma Zimmerschied, die beide in Mascat im Sultanat Oman leben, liefen mit und gaben im Trikot der Muscat Road Runners dem 11. Kirchener Stadtlauf ein internationales Flair. Ganz nebenbei: Es war der Tag nach der Hochzeitsfeier von Andreas und Uma Zimmerschied – Andreas lief nach 44:39 Minuten (7. M35) ins Ziel und Ehefrau Uma, die erst vor einem Jahr mit dem Laufen begonnen hatte, lief locker und sichtlich ohne Anstrengung 56:13 Minuten (5. W35) – mit Begeisterung und Stolz kommentierte „Ebi“ den Zieleinlauf. Andreas teilte mit seinem Vater zwei Leidenschaften: Wie Eberhard war auch er gelernter Bauingenieur und im Oman zuständig für große Bauvorhaben und auch Andreas Zimmerschied hatte seine Liebe fürs Laufen und den Ausdauersport entdeckt.

„Ebi“ – Du wirst fehlen!

Ihn brachte so schnell nichts aus der Ruhe. Wenn er gebraucht wurde, dann war Eberhard Zimmerschied zur Stelle – egal bei welchem Wetter! So wie hier beim bislang letzten Kirchener Stadtlauf im Jahre 2019, als der Himmel kurz vor Schluss alle Schleusen öffnete. Foto: Frank Steinseifer

Auch wenn „Ebi“ in den letzten Jahren an der Startlinie bei Wettkämpfen fehlte, der Laufsport blieb für den Betzdorfer seine Passion. Fast täglich schnürte er die Schuhe und drehte seine Runden, meist in seinem „Wohnzimmer“ vor der Haustür, dem Stadion am Molzberg. Dort, und nicht nur dort, sondern an vielen anderen Orten, wird er nun schmerzlich fehlen. Vielen wird er fehlen,
als Vater,
als Bruder,
als Opa seiner Enkeltochter,
als enger Freund,
als Vertrauter,
als guter Bekannter,
als Mitläufer,
als Ratgeber,
als kompetenter Gesprächspartner,
oder einfach nur als guter Zuhörer –
und ganz besonders als Ehemann,
denn Dir Andrea, wird er ganz besonders fehlen…

Lieber „Ebi“,
mach’s gut,

auch ich werde Dich vermissen.
Frank

9 Kommentare

  1. Ich habe kurz vor Weihnachten mit Ebi gesprochen, wie immer ging es ihm gut.
    Viele Kilometer sind wir zusammen auf der Bahn gelaufen.
    Eigentlich ist schon alles gesagt über ihn.
    Wir sind einfach nur geschockt.
    Andrea, wir sind bei dir
    Silvia und Theo Mohr

  2. Wir haben Ebi erst in unserem letzten Urlaub in Südtirol kennen und schätzen gelernt. Gern denken wir an die schönen, gemeinsamen Wanderungen in Südtirol und im Siebengebirge zurück. Wir haben schon Pläne für weitere gemeinsame Unternehmungen geschmiedet und sind sehr traurig, dass Ebi nicht dabei sein kann. Wir werden Ebi vermissen, aber in Gedanken wird er immer dabei sein.
    Iris und Thomas Schwarz

  3. Hallo Frank,
    da hast Du mir aus dem Herzen gesprochen.
    Ich glaube wenn unser Lauffreund Ebi das noch lesen könnte würde er sich sehr über Deine Worte freuen.
    Schade Ebi, hätte gerne noch einige Runden mit Dir gedreht.
    Jogi
    Hans-Joachim Fries
    Emmerzhausen

  4. Manchmal weiß man nicht, ob man noch eine Stadion-Runde hat, oder ist es schon die Zielgerade.
    Dann ist es besonders schmerzlich, dass da Einer vor dir war, dem du noch viele viele Kilometer gewünscht hättest.
    Lieber Ebi, ich habe und werde nie vergessen, wie ich Dich damals in den frühen Neunzigern im Stadion laufen sah … und dann warst Du auch der Erste, der mich so freundlich als Läufer im Westerwald „aufgenommen“ hat.
    Es gibt Menschen, die man nicht vergisst, weil ihr Herz immer da war, wo man Freude und Freunde erleben durfte. Danke Ebi – Du wirst bei uns bleiben, auch wenn Du jetzt Zuschauer bist.
    Dietrich und Regina Rüger
    Grünebach

  5. Eberhard,
    so nannte mein Bruder dich immer, wenn er dich ein wenig necken wollte, seinerzeit auf der „Penne“ in Betzdorf. Ansonsten warst du KO, wo immer der Name auch herkam. Ich weiß nicht einmal ob du ihn mochtest, deinen damaligen Spitznamen. Ihr beide hattet mich, den kleinen Bruder, dann freundlicherweise mitgenommen, auf eure Abi-Mittelmeerrundfahrt. Seinerzeit ein echt fettes Erlebnis, was ich nie vergessen werde. Danke!

    Und dann sieht man sich auf einmal Jahrzehnte nicht mehr und ich rief dich kürzlich zweimal an, wegen einer Straßenfrage und holte mir deine Expertise ein. Supercool, so wie früher, und jetzt mit allerfeinstem Sachverstand, lässig und souverän, mit viel Herz, sehr angenehm und viele Erinnerungen weckend.

    Und dann ruft mich mein Bruder an und teilt mir mit, dass du verstorben bist und dass er eigentlich nur noch wegen dir auf den Westerwald gekommen wäre. Da habe ich ein wenig geweint.
    Mach´s gut, Alter ….
    Tommy, so hieß ich früher

    Thomas Patzke
    Am Stoß 10
    57567 Daaden-Biersdorf

  6. Hallo Eberhard
    Wie oft hab ich Dich in Kirchen am Klinikum vorbeilaufen sehen, wie oft habe ich Deine Stimme bei den Cupläufen gehört, wie oft werde ich nun bei Laufereignissen Deiner gedenken…
    Machs gut wo immer das auch sein mag…!

    Dr.med Bernd Klamm
    An der Wende 11
    57548 KIRCHEN

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.