Sabrina Mockenhaupt-Gregor läuft nach Babypause Deutschen Rekord

So ganz kann sie vom Leistungssport nicht lassen: Sabrina Mockenhaupt-Gregor hat immer noch den Blick auf die Uhr. Die mittlerweile 41 Jahre alte ehemalige 45-fache Deutsche Meisterin ist auch nach der Geburt von Töchterchen Ruby Olivia richtig flott unterwegs. Bei den Deutschen Meisterschaften über 10.000 Meter lief „Mocki“ 33:37,60 Minuten und stellte damit einen neuen Deutschen Rekord für die Altersklasse W40 auf. Archivfoto: Frank Steinseifer

Pliezhausen. Alina Reh (SCC Berlin/32:06,63 Min.) und Simon Boch (LG Telis Finanz Regensburg/28:11,69 Min.) haben sich bei den Deutschen Meisterschaften über 10.000 Meter in Pliezhausen die Meistertitel gesichert. Eine überraschend starke Leistung erzielte Sabrina Mockenhaupt-Gregor. Die 41-jährige 45-fache Deutsche Meisterin lief einen neuen Altersklassenrekord für die W40.

War das schon das Comeback von Mama „Mocki“?

Die Frage, ob sie nun ihr großes Comeback starten will, die würde sie wahrscheinlich mit einem „Nein!“ beantworten. Sorry, ihre Leistungen sprechen derzeit aber eine ganz andere Sprache. Die mittlerweile 41-jährige Sabrina Mockenhaupt-Gregor ist nach ihrem Abschied vom Hochleistungssport Ende 2018 wieder zurück in der erweiterten bundesweiten Spitze im Langstreckenlauf. Nach dem Umzug nach Metzingen am Fuße der Schwäbischen Alb, der Hochzeit im August 2019 mit Kay Gregor und der Geburt von Töchterchen Ruby Olivia im Mai 2020 hatte die gebürtige Wilgersdorferin ihr Trainingspensum ganz erheblich reduziert und dem Leistungslaufen eigentlich den Rücken gekehrt. Auch wenn sie in ihrer Mutterrolle voll und ganz aufgeht und die ganz großen Meisterschaften und Meetings längst keinen Platz mehr im Terminkalender hatten – nur „just for fun“ durch den Wald zu joggen und den Babyjogger zu schieben, dass war der über 20 Jahre lang erfolgreichsten deutschen Läuferin auf der Langstrecke dann doch etwas zu wenig. Und so überraschte Mama „Mocki“ dann 2021, nur zehn Monate nach der Geburt, bei den ersten Volksläufen über 10 Kilometer in beachtlichen Zeiten von 37 Minuten.

Nach der Geburt von Ruby beim Osterlauf erstmals wieder unter 34 Minuten

In diesem Jahr hat sich die ambitionierte Freizeitläuferin aber wieder zu einer Langstrecklerin mit Leistungsanspruch entwickelt. Und auch hier sprechen die Zeiten für sich: „Mocki“ knackte im vergangenen April beim Paderborner Osterlauf über 10 Kilometer erstmals wieder die 34-Minuten-Marke und freute sich über 33:51 Minuten mit dem vierten Platz im top-besetzten Teilnehmerfeld. Am vergangenen Wochenende legte sie bei den Deutschen Meisterschaften über 10.000 Meter in Pliezhausen jetzt nochmal eine Schippe drauf: Dass die 41-Jährige bei der DM über 25 Stadionrunden ihres neuen Heimatvereins LV Pliezhausen nicht in ihrer Altersklasse W40, sondern im Hauptfeld der Frauen gestartet ist und sie sich damit dem direkten Vergleich mit der nationalen Elite stellte, spricht für die Rückkehr zum Leistungssport.

Mit 33:37,60 Minuten ein neuer Meilenstein für die Altersklasse W40 in Deutschland

Bei ihrem Heimspiel ließ sie sich zu Beginn des Rennens von der guten Stimmung mitreißen und zu einem zu hohen Anfangstempo verführen. Doch mit der Zeit von 33:37,60 Minuten belegte „Mocki“ den 9. DM-Platz im Frauenfeld und überraschte damit die Laufszene und auch so manch deutlich jüngere Konkurrentin. Ihre Laufzeit bedeutete aber nicht nur eine neue persönliche Bestzeit für die neue Zeitrechnung nach der Geburt von Ruby, mit 33:37,60 Minuten knackte sie zugleich den Deutschen Rekord in der Altersklasse W40. Die alte Bestmarke hatte Christa Vahlensieck (33:58,69 Min.) im Jahre 1989 aufgestellt. Vahlensieck ist eine der Pionierinnen des Langstreckenlaufs in der Bundesrepublik. Die gebürtige Düsseldorferin war die erste Deutsche, die den Marathon unter 3 Stunden lief. In ihrer Karriere stellte sie etlich Weltrekorde auf, unter anderem am 10. September 1977 beim Berlin-Marathon in 2:34:48 Stunden, den Stundenweltrekord verbesserte sie 1975 auf 16.872 Meter, den Weltrekord über 20 Kilometer lief sie 1975 in 1:10:50 Stunden, zudem verbesserte sie vier Mal den Weltrekord über 25 Kilometer (zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine Rennen über die Halbmarathonstrecke) – zuletzt in Griesheim 1978 auf 1:28:33 Stunden. Vahlensieck stellte 1976 in  7:50:37 Stunden auch einen neuen Deutschen Rekord über 100 Kilometer auf.

Sabrina Mockenhaupt-Gregor: „Taktisch bin ich nicht wirklich klug gelaufen“

Nach dem 10.000-Meter-Rennen in Pliezhausen erklärte „Mocki“: „Taktisch bin ich nicht wirklich klug gelaufen und war anfangs viel zu schnell. Irgendwie habe ich mich wieder von der genialen Stimmung in meinem Heimatstadion des LV Pliezhausen mitreißen lassen.“ Ihre Durchgangszeit bei 5.000 Meter deutete sogar noch auf eine Zeit von knapp unter 33 Minuten hin, doch allein auf sich gestellt konnte sie das Tempo nicht mehr halten.

Alchener Freddi Wehner mit 31:24,74 Minuten DM-Sechster in der U23

Frederik Jonas Wehner (SG Wenden) lag bei der DM über 10.000 Meter der Männer lange Zeit auf Kurs unter 31 Minuten, dem Alchener fehlte jedoch eine entsprechende Laufgruppe, deshalb konnte er das Tempo nicht bis zum Schluss halten. Wehner lief nach 31:24,74 Minuten über die Ziellinie und wurde damit Sechster in der U23. Archivfoto: Frank Steinseifer

Im Hauptlauf der Männer, im letzten Rennen des Tages am späten Abend bei nahezu idealen Bedingungen, war auch Frederik Jonas Wehner von der SG Wenden mit im Feld der besten deutschen Langstreckler. Der Alchener lag bis 8,5 Kilometer auf eine Zeit von 30:50 Minuten. Ab Kilometer 5 fehlte ihm eine Laufgruppe, er musste fortan alleine gegen die Uhr laufen und er konnte einen Leistungseinbruch nicht verhindern. Am Ende stand die Uhr bei 31:24,74 Minuten, damit belegte er den 6. DM-Platz in der U23, mit nur vier Sekunden Rückstand auf den 4. Platz. Für Wehner war es nach dem 5. Platz bei den Deutschen Cross-Meisterschaften seine bisher beste Einzelplatzierung.

Steffi Osthoff gewinnt in der W35 – Gabi Müller-Scherzant holt „Silber“ in der W50

Zwei erfolgreiche Langstrecklerinnen bei der DM über 10.000 Meter in Pliezhausen: Steffi Osthoff (links) und Gabi Müller-Scherzant. Foto: Verein

Bereits zuvor am Nachmittag waren zwei weitere heimische Läuferinnen am Start, die bei sehr warmen Temperaturen und bei strahlendem Sonnenschein mit deutlich schlechteren Bedingungen für die 25-Runden-Distanz zurechtkommen mussten. Bei vielen Läuferinnen waren daher mäßige Endzeiten und viele vorzeitige Aufgaben die Folge. Steffi Osthoff von der SG Wenden lief trotz der widrigen Bedingungen ein starkes Rennen. Die Ottfingerin ließ der Konkurrenz keine Chance, übernahm nach der Hälfte der Strecke die Führung, gab diese nicht mehr ab und überquerte nach guten 38:32,90 Minuten die Ziellinie. Damit gewann sie den DM-Titel in ihrer Altersklasse W35. Im gleichen Rennen war auch Gabi Müller-Scherzant vom TuS Deuz im Teilnehmerfeld. Lange Zeit lag sie mit 100 Meter auf „Gold“-Kurs in ihrer Altersklasse, doch nach der Hälfte des Rennen wurden bei ihr die Beinen schwer. Es siegte dann mit Susanne Heinbach (LG Wettenberg) die Ehefrau des amtierenden Siegerlandrekordhalters Ralf Heinbach (ehemals LAG Siegen) in 40:32,54 Minuten. Müller-Scherzant lief nach 41:13,36 Minuten ins Ziel – nach kurzer Enttäuschung überwog dann aber auch bei ihr die Freude über die gewonnene Silbermedaille in ihrer Altersklasse W50.

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