Marathon-DM: Medaillen und Marcos furioses Comeback

Bei der Marathon-DM in Hannover liefen Fabian Jenne (links) und Marco Giese ihr eigenes Rennen. Nach 42,195 Kilometern überquerten die beiden Trainingskollegen von der SG Wenden dann doch gemeinsam Hand in Hand das Ziel – zeitgleich in neuer Bestzeit von 2:24:19 Stunden. ©Archivfotos: Frank Steinseifer

HANNOVER. Bei den Deutschen Marathon-Meisterschaften 2026 in Hannover gelang der SG Wenden wieder einige Erfolge. So holten die Sauerländer Rothemden „Silber“ in der Mannschaftswertung der Männer und der 50-jährigen Christl Dörschel gelang der Sieg in der Klasse W50. Dem Olper Marco Giese gelang bei seinem Marathon-Debüt ein ganz außergewöhnliches Comeback.

Domenika Mayer (LG Telis Finanz Regensburg/2:21:26 Std.) und Tom Thurley (Munich Athletics/2:11:02 Std.) sind die Titelgewinner bei den Deutschen Meisterschaften im Marathonlauf, die in diesem Jahr im Rahmen des ADAC Marathon Hannover ausgetragen wurden. Die Regensburgerin Mayer siegte zum dritten Mal in Serie und lief in der neuen Streckenrekordzeit sogar auf Rang zwei in der ewigen Deutschen Bestenliste. Den Deutschen Rekord, den hält seit 2008 Irina Mikitenko mit 2:19:19 Stunden. Gesamtsieger des Hannover Marathons wurde der Kenianer Maru Kibet (2:07:53 Stunden). Insgesamt starteten in Hannover über alle Strecken 33.835 Läuferinnen und Läufer – auch das ein neuer Rekord.

Beinahe tödlicher Rad-Unfall im Juli 2022

Bei Meisterschaften zählen am Ende Medaillen, Plätze und Bestzeiten – auch die gab es in Hannover wieder für die Sauerländer „Rothemden“, die Läuferinnen und Läufer der SG Wenden. Doch manchmal überstrahlen die persönlichen Erfolgsgeschichten nackte Statistiken und Laufzeiten. Der Olper Marco Giese muss die Marathon-Premiere in Hannover als traumhaftes Läufermärchen erlebt haben, war doch noch vor vier Jahren nach seinem beinahe tödlichen Radunfall völlig unklar, ob er jemals wieder würde laufen, geschweige denn Spitzensport betreiben könne. Bei dem Zusammenprall mit einer Landmaschine in der Gemeinde Reichshof, bei dem er sich durch die Aufprallgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern schwerste Lungenquetschungen und einen Riss der Aorta zuzog und die Ärzte um sein Überleben kämpften, schien bereits alles vorbei. „Ich habe damals verdammt viel Glück gehabt“, sagte er Monate später. Neben seinem ersten Geburtstag, am 19. Juni 1992, feiert er nun den Tag des Unfalls, den 3. Juli 2022, als seinen „zweiten Geburtstag“.

Comeback grenzt schon fast an ein Wunder

Und so grenzt es fast schon an ein Wunder, dass sich Marco Giese in nur vier Jahren mit enormer Willensstärke und vielen Trainingskilometern wieder in die Riege der Spitzenläufer zurückgekämpft hat und nun bei der Marathon-DM ein furioses Comeback feierte. Erste große Erfolge gab es schon im Vorjahr, mit 30:31 Minuten über 10 Kilometer, doch dann wurde er wieder durch etliche Verletzungen ausgebremst. Erst war die Plantarfaszie entzündet, dann zwickte das Knie. „Die Vorbereitung auf den Marathon war nicht optimal, mir fehlten viele Trainigskilometer und vor allem die wichtigen langen Läufe“, so Giese.

Fabian Jenne musste Anfangstempo Tribut zollen

Doch das Marathon-Debüt in Hannover wurde für Marco Giese dann wider Erwarten zu einem Fest. Lange Zeit hatte er sich in der Gruppe um die zweitbeste Frau des Tages, Fabienne Königstein (Hannover 96/2:24:31 Std.), „versteckt“ und damit ideale Tempomacher gefunden. An der Seite der Lokalmatadorin war Giese dann auch minutenlang in der TV-Live-Übertragung des NDR im Bild. Er bremste sich im ersten Viertel, lief ein gleichmäßiges Rennen, passierte die 10-Kilometer-Marke nach 33:46 Minuten, die Halbmarathon-Marke nach 1:11:26 Std. Nach 39 Kilometern fiel ihm dann sein Vereinskollege Fabian Jenne entgegen, der mit einer angepeilten Zielzeit von 2:20 (!) Stunden bereits über zwei Minuten vorausgeeilt war, jedoch aufgrund von Wadenproblemen sein Tempo nach 30 Kilometern deutlich drosseln musste.

Giese und Jenne Hand in Hand ins Ziel nach 2:24:19 Std.

Es war dann ein schönes Bild, als die beiden Trainingspartner Marco Giese und Fabian Jenne (4. M35) Hand in Hand zeitgleich nach 2:24:19 Stunden, beide mit persönlicher Bestzeit, auf den Plätzen 10 und 11 durchs Ziel liefen. An den Vereins- und Kreis-Rekord vom Teamkollegen Manuel Schräder (2:23:07 Std./Berlin 2024), der den DM-Start diesmal aufgrund muskulärer Probleme nur wenige Tage zuvor absagen musste, kamen sie jedoch nicht ganz heran. Giese und Jenne legten dann auch den Grundstein für den Mannschaftserfolg der SG Wenden, denn zusammen mit dem Berleburger Timo Böhl (2:34:54 Std.) gab es am Ende die Silbermedaille zu feiern. Mit Schräder im Team wäre sicherlich der DM-Titel in der Mannschaftswertung eine klare Sache für die SG Wenden geworden. „Silber“ gab es für die Wendener dann auch in der Mannschaftswertung der AK 35-45 in der Besetzung Jenne, Böhl und mit dem 45-jährigen Markus Mockenhaupt (4. M45), der in 2:36:49 Std. ebenfalls eine starke Leistung zeigte. Ein gleichmäßiges Rennen spulte auch Vereinskollege Christian Rüsche in 2:42:55 Std. ab.

Judith Hacker in Bestform zu 2:55:40 Stunden

Knackte nach einem starken Rennen erstmals die 3-Stunden-Marke: Judith Hacker (hier beim Ausdauer-Cup in Herdorf 2025) lief bei der DM in Hannover in 2:55:40 Minuten neue persönliche Bestzeit. ©Archivfoto: Frank Steinseifer

Auch für die schnellen Frauen der SG Wenden war Hannover ein erfolgreiches Pflaster. Ein bislang leistungsstarkes Sportjahr 2026 zeigt Judith Hacker. Nach Bestzeit über 10 Kilometer von 35:44 Minuten Anfang März in Leverkusen lief die 32-Jährige nun auch über die Marathonstrecke eine neue deutliche Bestzeit. In 2:55:40 Stunden (12. W30) blieb sie erstmals unter der begehrten 3-Stunden-Marke. Kurz dahinter folgte schon ihre Vereinskollegin Christl Dörschel. Die 50-Jährige lief in 2:56:45 Stunden ein äußerst starkes Rennen und sicherte sich auch den DM-Titel in ihrer Altersklasse W50. Liv Behle komplettierte in neuer Bestzeit von 3:01:41 Stunden den Teamerfolg: Platz vier mit der Mannschaftswertung. Bei ihrem Marathon-Debüt freute sich Sandra Clemens über 3:10:56 Std.

Ausnahmeläufer Werner Stöcker mit beachtlicher Leistung

In Hannover am Start waren auch zwei Teilnehmer der LG Wittgenstein. Die Berleburgerin Ina Haas, „Läuferin des Jahres 2025“ bei der LG, freute sich über 3:21:23 Std. sowie den 17. Platz in der W35. Der Erndtebrücker Ausnahmeläufer Werner Stöcker war mit seinen 86 Jahren der älteste und einzige Teilnehmer in der AK M85. Er absolvierte die 42,195 Kilometer in beachtlichen 4:34:42 Std.

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