Silvesterläufe: „Berliner“ in Wilnsdorf und „Ballern“ in Zürich

Nachdem der Silvesterlauf an der Obernautalsperre aufgrud von Eisglätte abgesagt werden musste, rief der ASC Weißbachtal kurzerhand zu einem spontanen Silvesterlauf ohne Zeitmessung auf. Insgesamt 65 Läuferinnen und Läufer folgten der Einladung und gingen auf die Strecken über 5 und 10 Kilometer sowie die Halbmarathondistanz des ehemaligen Wielandlaufs mit Start und Ziel am Stadion Höhwäldchen. ©Foto: Frank Steinseifer

WILNSDORF/GUMMERSBACH/WERL/ZÜRICH/SIGMARINGEN. Nach der Absage des CVJM-Silvesterlaufs an der Obernautalsperre war bei vielen Läuferinnen und Läufern der Frust besonders groß. Was nun? Ad hoc umplanen und auf den letzten Drücker doch noch einen Startplatz bei einem anderen Lauf ergattern? Schuhe schnüren für einen Trainingslauf allein, oder doch lieber drinnen auf die Couch?

65 Teilnehmer beim spontanen Silvesterlauf in Wilnsdorf

Nach der Nachricht vom Aus des Silvesterlaufs in Netphen dauerte es am Dienstag nur wenige Stunden, da hatten einige engagierte Vereinsmitglieder des ASC Weißbachtal – allen voran Läufer Rüdiger Stahl – die Idee zu einem spontanen Silvesterlauf auf der Strecke des ehemaligen Wielandlaufs in Wilnsdorf. Vereinsübergreifend, kein beinharter Wettkampf, keine Startgebühren, keine Zeitmessung – einfach ein spontan organisierter Spaßlauf über 5 oder 10 Kilometer, oder Halbmarathon zum Jahresausklang. Binnen kürzester Zeit wurden die Social Media-Kanäle geflutet und die Laufszene motiviert – und die Idee stieß auf Begeisterung: 65 Läuferinnen und Läufer standen am Silvestermorgen um 10.30 Uhr bei Minus 2 Grad warm verpackt vor dem Wielandstadion Wilnsdorf.

Statt Siegerehrung: Glühwein, Punsch und Weihnachtsgebäck

„Schön, dass ihr gekommen seid“, bedankte sich ASC-Vorsitzender Hannes Gieseler und schickte dann die Silvesterläufer bei einsetzendem Schneetreiben auf die Strecke – die hatten Sabine und Lars Klein mit Sprühfarbe gut sichtbar in den Schnee markiert. Nach dem Lauf konnten sich die fröstelnden Sportler im ASC-Vereinsheim bei heißem Glühwein, Punsch, Weihnachtsgebäck und 40 gespendeten Berliner Ballen auch wieder aufwärmen. „Vielen Dank für den spontan organisierten Lauf“, gab es dann auch Lob von vielen Seiten.

Tobias Lautwein und Steffi Osthoff gewinnen Silvestercross

Heimische Langstreckler waren aber auch bei „echten“ Silvesterrennen am Start. Es waren wieder Läuferinnen und Läufer der SG Wenden, die dem 66. Gummersbacher Silvester-Crosslauf, dem ältesten und härtesten Silvesterlauf Deutschlands, ihren Stempel aufdrückten. Den Start in Gummersbach hatte Tobias Lautwein bereits seit Wochen geplant. Im Hauptlauf über 10,5 Kilometer siegte der ehemalige HYROX-Weltmeister aus Altenhof, Crosslauf-Sieger von 2022, der diesmal für das Team Runenergy.de startete, in 42:09 Minuten und mit 2:40 Minuten Vorsprung auf die Konkurrenz. Stefan Lang (SG Wenden) belegte den dritten Platz in der M60 (56:16 min.). Bei den Frauen gewann mit klarem Vorsprung Stefanie Osthoff von der SG Wenden in 49:14 Minuten, Dritte Frau und Siegerin der Hauptklasse wurde ihre Vereinskollegin Liv Behle (51:37 min). Auf der schweren 5-Kilometer-Strecke liefen Pascal Pauke (Siegen/23:26 Min./1. M45), Ina Grebe (SG Wenden/23:33 Min./1. W35) und Christa Siller (ASC Weißbachtal/35:15 Min./1. W70) zum Altersklassensieg.

Viktor Horch und Christian Becker beim Lauf in Werl

Beim mit 8.500 Teilnehmern größten Silvesterlauf Deutschlands von Werl nach Soest, zeigten Läufer des TuS Deuz gute Leistungen. Der Niederscheldener Viktor Horch lief die 15 Kilometer-Strecke in 53:05 Minuten und wurde damit Zweiter in der Altersklasse M45, sein Trainingskollege Christian Becker aus Burbach gewann in 54:27 Minuten in der AK M40, Alexander Hoffmann von der LG Kindelsberg Kreuztal lief 58:44 Minuten (21. M35).

Böhl und Mockenhaupt bei Neujahrsmarathon stark

Als in Deutschland bereits alle Silvesterläufer schon lange im Ziel waren, machten sich zwei heimische Laufasse in der Schweiz erst bereit für den Wettkampf. Um Punkt 0:00 Uhr am 1. Januar 2026 starteten der Berleburger Timo Böhl und der Wilgersdorfer Markus Mockenhaupt beim Neujahrsmarathon in Zürich, dem weltweit ersten Marathonlauf des Jahres. Der besondere Reiz des Laufs: Wer hier am Ende vorne liegt hält zumindest für ein paar Stunden die Weltbestzeit im Marathonlauf. Bei eisigen Temperaturen von Minus 7 bis Minus 10 Grad, dick verpackt mit langen Klamotten, Handschuhe, Mütze und mit Stirnlampe ausgerüstet, „ballerten“ die beiden Langstreckler der SG Wenden fast drei Stunden lang durch die Nacht. Und für alle, die im Läuferjargon nicht Zuhause sind, „ballern“ steht hier nicht für die Silvesterknallerei, sondern für schnelles Laufen ohne Rücksicht auf Pulskontrolle und Zwischenzeiten.

Timo Böhl für kurze Zeit weltweit bester Deutscher

„Es war wirklich arschkalt“, fluchte Markus Mockenhaupt nach dem Rennen über vier Runden zu je 10,5 Kilometer. „Mocki“ lief nach 2:57:07 Stunden als Sechster im Gesamteinlauf, zweitbester Deutscher und Sieger in der Altersklasse M45 ins Ziel. Noch besser lief es für Timo Böhl, der nach seinem Vereinswechsel von der LG Wittgenstein zur SG Wenden einen gelungenen Einstand im neuen roten Trikot der Sauerländer feierte. Trotz der eisigen Temperaturen, trotz dicker Laufkleidung und trotz eines unfreiwilligen „Boxenstopps“ lief der 37-Jährige hinter zwei Schweizern als bester Deutscher in 2:47:24 Stunden auf den den 3. Platz. Damit dürfte Böhl für die ersten Tage des neuen Jahres in der Marathon-Weltbestenliste der beste Deutsche sein. „Trotz der Kälte war das schon eine tolle Erfahrung. Den Lauf kann man sich nochmal geben. Ich habe ja jetzt einen Startplatz für nächstes Jahr gewonnen“, so der Neu-Wendener im Interview.

„Mocki“: „Habe mich gefühlt wie ein Möbelstück aus den 70ern“

Das Sportjahr 2025 ging für die ehemals beste deutsche Langstreckenläuferin Sabrina Mockenhaupt-Gregor nicht so zu Ende wie geplant. Die 45-jährige 45-fache Deutsche Meisterin im Trikot von LAV Stadtwerke Tübingenging beim 39. Silvesterlauf in Sigmaringen über 10 Kilometer an den Start. Lief es in der ersten Runde noch recht passabel, zwangen muskuläre Probleme im rechten Gesäßmuskel „Mocki“ fast zur Aufgabe des Rennens. Am Ende belegte die gebürtige Wilgersdorferin in 41:51 Minuten nur den 7. Platz in der Frauen-Gesamtwertung. „Ich habe mich heute gefühlt wie ein Möbelstück aus den 70er Jahren“, nahm „Mocki“ den Ausgang des Rennens mit Humor.

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