
BERLIN. Beim 52. Berlin-Marathon waren erneut auch etliche heimische Läuferinnen und Läufer am Start. Schnellster Siegerländer war der Netphener Julian Maletz. In seinem zweiten Marathonlauf war er deutlich schneller als im Vorjahr an gleicher Stelle. Wie das Rennen für den 30-Jährigen gelaufen ist, wo jetzt seine neue Bestmarke steht und von welchen sportlichen Zielen er jetzt träumt und welche Läuferin aus der Region die 42,195 Kilometer am schnellsten bewältigt hat, das lest ihr jetzt hier auf Laufen57.de
Über 56.000 Läufer aus 162 Nationen am Start
Wenn Berlin die Langstreckenläufer ruft, dann kommen sie alle angerannt. Die 42,195 Kilometer durch die Hauptstadt vorbei an der Siegessäule, Bundeskanzleramt, über den Kurfürstendamm, vorbei an der Gedächtniskirche und auf der Zielgeraden durchs Brandenburger Tor haben für viele Laufsportfreunde Kultstatus. Über 56.000 Läufer aus 162 Nationen hatten sich für den mit Abstand größten und spektakulärsten Marathon im deutschsprachigen Raum gemeldet. Damit gehört der Berlin-Marathon zu den größten Marathonläufen weltweit.
Dramatischer Zieleinlauf bei den Frauen
Bei den Männern triumphierte der Äthiopier Guye Adola als Sieger in 2:02:50 Stunden bei den Frauen gab es einen dramatischen Ausgang: Die 29-jährige Äthiopierin Tigst Assefa lag bis Kilometer 40 deutlich auf Weltrekord-Kurs von 2:09:56 Std. Doch auf den letzten zwei Kilometern schwanden ihre Kräfte, sie begann aufgrund einer Verletzung sichtbar zu humpeln, ihr Tempo wurde langsamer und langsamer. Unter großen Schmerzen gewann sie in 2:11:04 Std., der drittschnellsten je von einer Frau gelaufenen Marathonzeit. Nach dem Rennen stellte sich heraus, dass Adola sich mit komplett gerissener Achillessehne ins Ziel geschleppt hatte. Sie wurde bereits am Montag in einem Krankenhaus in der Nähe von München operiert.
„Mocki“ kehrt an den Ort ihrer Bestzeit zurück
Dem Lockruf von Berlin folgen Jahr für Jahr auch viele heimische Ausdauersportler – sowie die Lauflegende Sabrina Mockenhaupt-Gregor, die mit 45 Deutschen Meistertiteln immer noch erfolgreichste Deutsche Langstreckenläuferin. Der Sender RTL setzte bei seiner TV-Live-Übertragung auch diesmal auf die Expertise von „Mocki“ als Co-Moderatorin. Als Expertin am Mikrofon analysierte die 45-jährige gebürtige Wilgersdorferin das Rennen und gab Einblicke aus Läufersicht. Für „Mocki“ ist der Wettkampf in Berlin nicht irgendein Marathon, für sie ist es jedes Jahr die Rückkehr an den Ort, an dem sie am 26. September 2010 im Dauerregen ihre Marathonbestzeit von 2:26:21 Std. aufgestellt hatte.
Julian Maletz wie ein Uhrwerk zu starken 2:34:58 Std.
Am vergangenen Sonntag war der BMW Berlin-Marathon nun ein erfolgreiches Pflaster für einen Langstreckler des TuS Deuz, der den Laufsport als Leistungssport erst seit zwei Jahren ernsthaft betreibt. „Wenn alles normal läuft, dann wäre ich mit einer Zeit von unter 2:40 Std. zufrieden und wenn alles optimal läuft, dann könnte es sogar in Richtung 2:35 Std. gehen“, hatte Julian Maletz aus Netphen (diesmal für die Crown Town Runners Siegen am Start) seine Zielsetzung vor dem Rennen formuliert. Der 30-Jährige erwischte einen perfekten Tag, bei perfekten äußeren Bedingungen. Gleichmäßig wie ein Uhrwerk lief er den zweiten Marathon in seiner noch jungen Karriere (den ersten lief er 2025 in Berlin in 2:49:47 Std.), absolvierte die ersten 10 Kilometer in 37:12 Minuten, die Halbmarathonmarke in 1:18:16 Std., ab Kilometer 25 konnte er sogar noch zulegen. „Die Stimmung an der Strecke hätte nicht besser sein können und gibt einem nochmal ein richtigen Boost. Ich fühlte mich richtig gut. So gut, dass ich hintenraus noch steigern konnte.“ Erst bei Kilometer 38 habe er gespürt, dass „die Beine richtig leer sind“ – der „Mann mit dem Hammer“ erwischte ihn aber auf den letzten zwei Kilometern nicht mehr, und so rannte er die letzten beiden Kilometer im 3:32er-Schnitt/km und im Ziel stoppten die Uhren bei der neuen persönlichen Bestzeit von 2:34:58 Std., damit war er zugleich auch der schnellste Siegerländer.
Siegerlandrekord von Carsten Breitenbach: 2:21:23 Std.
„Ich bin total happy. Das Training in den letzten Wochen hat sich ausgezahlt und es war ein perfektes Rennen“, erklärte Julian Maletz, der mit der Geburt seiner Tochter Lola emotionale Wochen erlebte. Bereits zwei Tage nach dem Rennen, die Beine noch etwas schwer, hatte er den Kopf schon wieder frei für neue Ziele. Maletz, der sicher noch fünf, sechs erfolgreiche Jahre auf der Langstrecke haben dürfte, träumt nun vom neuen Siegerlandrekord auf der Marathonstrecke. Die Bestzeit hält seit fast drei Jahrzehnten ebenfalls ein Läufer des TuS Deuz: Carsten Breitenbach lief am 26. Oktober 1997 beim Marathon in Essen den bis heute gültigen Rekord von 2:21:36 Std. „Das ist mein Traumziel. Ich weiß, ich müsste noch 13 Minuten schneller sein, aber ich habe mir schon immer hohe Ziele gesteckt. Wenn ich in den nächsten Jahren von Verletzungen verschont bleibe, dann traue ich mir das in einem optimalen Rennen zu.“
Dennis Neuser (FSG Oberes Siegtal) mit 2:37:08 Std.
Nicht weit hinter Maletz folgte Dennis Neuser (FSG Oberes Siegtal), der lange Zeit mit Maletz zusammen lief, das Tempo gegen Ende des Rennens aber nicht mehr ganz mitgehen konnte. Neuser lief in 2:37:08 Std. ebenfalls ein richtig starkes Marathonrennen. Schnellste heimische Läuferin war Steffi Osthoff von der SG Wenden, die in 2:58:19 Std. eine neue persönliche Bestzeit aufstellte.
Werner Stöcker läuft 4:36:24 Std.
Ältester Läufer aus dem Siegerland war erneut Werner Stöcker von der LG Wittgenstein. Der 86-jährige Ausnahmeläufer aus Erndtebück lief in 4:36:24 Std. ins Ziel. Damit belegt er in der offiziellen Ergebnisliste in der Altersklasse M80 den 2. Platz. Fraglich ist jedoch, ob der Klassen-Sieger, Bernd Siegert, der nur bis Zwischenmarke bei Kilometer 15 (in der Zeit von 2:24:51 Std.) getrackt wurde, tatsächlich dann den Marathon in 3:37:35 Std. gefinisht hat? Mit der Zeit von 3:01:54 Std. schrammte sein Enkel Keanu Stöcker knapp an der 3-Stunden-Marke vorbei.
„Carlos“ Steiner mit dem 32. Berlin-Marathon
Ein Berlin-Marathon ohne Karl Steiner vom TuS Deuz? Unvorstellbar. Zum 32 Mal war „Carlos“ in Berlin am Start und er finishte in der M70 bei seinem insgesamt 71. Marathon in 5:57:18 Std. Weitere Resultate vom TuS Deuz: Viktor Horch 2:45:36 Std., Vanessa Oster 3:42:05, Andrea Günther 4:25:30 und Günter Bieler 4:30:37. Die Siegenerin Melina Schmelzer (vereinslos) lief in 3:28:44 Std. ihre Bestzeit. Von den Crown Town Runners/Absolute Run Siegen finishten außer Julian Maletz auch noch Cedric Elsbach (3:09:29 Std.), Tom Luca Krumm (3:14:58 Std.) und Friedrich Krombach (5:13:56 Std.).
Glückwunsch in eigener Sache:
Julian knackt Bestzeit von Frank –
neuer Marathon-Rekord für den Ausdauer-Shop

